Kigali

Wir sind jetzt schön über drei Monate in Bukoba, was bedeutet, dass ein Viertel unserer Zeit schon verflogen ist. Somit wird es noch einmal Zeit von den letzten Wochen zu berichten.

An der Mugeza Viziwi läuft es super. Wir können uns mittlerweile fast einwandfrei mit den Schülern auf Gebärdensprache verständigen, wenn auch noch nicht so schnell wie die Schüler untereinander. Wir machen nach wie vor mittags mit den Kleinen Sport. Leider konnten wir bisher noch nicht mit weiteren Unterrichtsstunden anfangen. Am 7. Dezember haben die Ferien angefangen und da das neue Schuljahr im Januar beginnt, hatten die Schüler kürzlich ihre Abschlussexamen. Ein Lehrerwechsel eineinhalb Monate vor den Examen hätte daher wahrscheinlich eher Schaden als Nutzen gebracht. Stattdessen helfen wir den Schülern bei ihren Mathe- und Englischaufgaben, wenn gerade kein Lehrer in der Klasse ist. Paul und ich können es aber trotzdem kaum noch abwarten, nach den Ferien endlich mit unserem eigenen Unterricht zu beginnen.

Wie ich im vergangenen Blogeintrag bereits erwähnt habe, spielen wir jeden Abend am Strand Volleyball. Vor ein paar Wochen hatten wir dann auch endlich unser erstes Spiel im Mädchenteam gegen eine Secondary School aus Bukoba. Samstagnachmittag sind wir gemeinsam an die Schule gefahren. Die anderen Volleyballspielerinnen aus Bukoba hatten an dem Tag leider alle keine Zeit und somit bestand unser Team ausschließlich aus Freiwilligen. Da wir fast alle Anfänger sind, haben wir uns keine guten Chancen ausgemalt und glaubten an eine sichere Niederlage. Überraschenderweise war das gegnerische Team aber mindestens genauso schlecht, weshalb wir zum Erstaunen aller gesiegt haben. Das konnte eigentlich nur am leidenschaftlichen Anfeuern unserer männlichen Teamkollegen liegen, die sogar ein Plakat gebastelt haben.

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Am darauffolgenden Wochenende hatten wir dann direkt unser nächstes Spiel an einer weiteren Secondary School. Diesmal waren unsere Gegnerinnen eindeutig besser, unser Team aber auch, da es durch zwei Tansanierinnen ergänzt wurde und wir in der vergangenen Woche weiterhin fleißig trainiert hatten. Somit spielten wir Kopf an Kopf und konnten am Ende den fünften und entscheidenden Satz knapp für uns entscheiden. Das zweite Spiel hat super viel Spaß gemacht und uns alle dazu motiviert noch mehr zu trainieren, um besser zu werden.

Wie anfangs schon erwähnt, sind wir jetzt bereits drei Monate hier, was auch bedeutet, dass unser dreimonatiges Touristenvisum vor Kurzem abgelaufen ist. Da wir unsere Residence Permit noch nicht haben, mussten wir ausreisen, um ein neues Touristenvisum zu beantragen. Normalerweise wäre es für ein paar Tage nach Kampala in Uganda gegangen. Da wir dort jedoch schon einen Tag nach unserer Ankunft am Flughafen in Entebbe verbracht haben, haben wir Khamis gefragt, ob es auch möglich wäre nach Ruanda zu fahren. Dieser hat begeistert zugestimmt und somit ging es am frühen Donnerstagmorgen mit dem Bus in Richtung Ruanda. Nach einer etwa zwölfstündigen Fahrt in teilweise sehr überfüllten Bussen kamen wir dann am frühen Abend in Kigali an. Bei der Fahrt durch die Stadt staunten wir über die Hochhäuser und die gut ausgebauten Straßen mit Straßenbeleuchtung, als seien wir noch nie in einer Großstadt gewesen. Noch besser wurde es, als wir in einen großen Supermarkt gingen. In Bukoba ist das Essen eher eintönig und die Supermärkte, die zwar auch Nutella und Müsli verkaufen, sind wahnsinnig teuer (Schokomüsli kostet umgerechnet 7€). In Kigali hingegen gab es eine riesige Auswahl an Keksen, verschiedene Sorten Joghurt und sogar guten Käse (viele Produkte sind Importware aus Belgien). Wir wurden wahnsinnig freundlich von den Kigali-Freiwilligen des ASC empfangen, bei denen wir schlafen konnten und haben die darauffolgenden vier Tage vor allem mit Essen verbracht. Natürlich haben wir uns auch die wirklich schöne Stadt angeschaut und sind auf den Mount Kigali gelaufen, von dem man einen tollen Ausblick auf ganz Kigali hat. In einem großen Fitnessstudio konnte ich sogar an einer kleinen Kletterwand klettern. Insgesamt haben wir unseren Trip nach Ruanda sehr genossen und wollen definitiv noch einmal wiederkommen. Dafür nehmen wir auch noch mal die holprige Fahrt in Kauf. Es war aber trotzdem auch schön wieder nach Bukoba zu kommen. Kigali bietet zwar einiges mehr, Bukoba ist aber gerade durch seine überschaubare Größe deutlich persönlicher und freundlicher.

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Am 1. Dezember konnte ich dann auch endlich das erste Päckchen meines Adventskalenders, den meine Eltern mir zugeschickt haben, öffnen. Weihnachtsstimmung will bei dem gleichbleibend schönen Wetter irgendwie nicht so ganz aufkommen. Um ein bisschen nachzuhelfen, haben wir am Samstag alle zusammen Plätzchen gebacken. Wenn man die Kokosnuss für die Kokosmakronen selber aufbrechen muss und das Eiweiß mit einer Gabel steif schlägt, (es wäre wahrscheinlich schneller gegangen auf dem Markt einen Schneebesen zu kaufen) schmecken die Plätzchen umso besser. Außerdem hat Jana eine Kiste mit Weihnachtsdeko, die unsere Vorfreiwilligen hinterlassen haben ausgekramt und sogar einen kleinen Adventskranz gebastelt.

Zum Schluss noch ein paar kleine Dinge aus den ersten drei Monaten:

  • Bittere Erkenntnis: die teure Milch im Tetra Pack, die wir ganz am Anfang gekauft haben schmeckt so bescheiden, da die aus Milchpulver mit Wasser besteht, wir kaufen jetzt immer Rohmilch und kochen sie ab
  • Ich fahre jetzt alleine Piki (Motorrad). Das gibt uns viele Freiheiten, ich bin aber auch die einzige Frau, die selbst fährt, weshalb mich alle anstarren. Da ist es auch nicht förderlich, dass wir gefühlt das größte und lauteste Piki der Stadt fahren.
  • Tiere in unserem Haus: 4 Kakerlaken (etwa 6 cm lang), eine davon in meinem Bett, zum Glück aber rechtzeitig bemerkt; 1 kleiner Skorpion in unserem Bad, gekonnt in einem Glas gefangen; einen Frosch in unserem Badezimmer, kaltblütig von Lennard ermordet; schwarze Riesenhummeln und Wespen mit zwei Körpern (ungewollte Insekten werden in der Regel mit Deo und Feuer beseitigt); wer weiß was für Tiere auf unserem Dachboden…ab und zu hört man es krabbeln und fiepsen
  • Stromausfall: kommt etwa einmal die Woche vor, in der Regel aber nur für wenige Stunden und in vielen Fällen ist der Prepaid-Strom einfach alle
  • Wasserausfall: kam bisher selten vor und am Waschbecken im Garten gab es aber eigentlich immer Wasser
  • Wir frieren bei 23°C
  • Wir laufen uns gegenseitig für 500 Schilling, umgerechnet 20ct, hinterher
  • Lieblingsessen: Gonja (gegrillte Bananen)
  • Essen, das ich am Meisten vermissen: Käse, Rosinen, Vollkornbrot (alles in Kigali gekauft, ist aber bis auf den Käse schon aufgegessen)

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